Die Grundlage unserer pädagogischen Arbeit bildet das pädagogische und didaktische Konzept Maria Montessoris.

Von 1992–2012 war Frau Wiese-Nagel Schulleiterin der Paul-Klee-Schule. Sie besaß das Montessori-Diplom und im Schuljahr 1995/96 begann sie die Jahrgangsmischung in den Klassen umzusetzen. Sukzessive wurden die acht Klassen in die Jahrgangsmischung 1–4 geführt. 2012 starb Frau Wiese-Nagel und Frau Römer folgte als Schulleiterin. Sie besitzt ebenfalls das Montessori-Diplom und führte die Schule entsprechend weiter auf dem Weg zur Montessori-Schule.

Unsere Schule ist eine öffentliche GGS und setzt den Bildungsauftrag durch die Richtlinien und Lehrpläne des Landes NRW um.

Bei uns arbeiten staatlich ausgebildete Lehrer*innen und Sozialpädagogen/Sozialpädagoginnen, die als zusätzliche Qualifikation in einem zweijährigen Diplom-Lehrgang das Montessori-Diplom erworben haben oder zeitnah erwerben.

Unser großes Anliegen ist die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes, damit es sich als Individuum entwickelt und ein soziales Mitglied unserer demokratischen Gesellschaft wird, das Verantwortung für sein eigenes Tun übernimmt.

Der Mensch muss sich seinem eigenen Rhythmus gemäß formen, disziplinieren und bilden können. Unser Ziel ist die Gesundheit der Psyche; …

– Oswald, Paul/ Schulz-Benesch, Günter (2017): Grundgedanken der Montessori-Pädagogik Hrsg. v. Harald Ludwig. S. 41

Nach Montessori hat jedes Kind einen eigenen Inneren Bauplan“, den es unabhängig vom Erwachsenen umsetzen wird. Unsere Aufgabe als Pädagogen/Pädagoginnen ist es, genau zu beobachten, was die Kinder für ihre kognitive und soziale Entwicklung benötigen und ihnen eine entsprechende Vorbereitete anzubieten.

Dabei erwerben unsere Kinder die Fach- und Personalkompetenzen, die in den Richtlinien und Lehrplänen des Landes NRW verankert sind.

Aus fachlicher Sicht sind die Klassen mit zahlreichen Materialien zum Begreifen und Erfassen der inhaltlichen Schwerpunkte der Grundschule ausgestattet. So sind die Materialien häufig anschaulich und besitzen dadurch einen motivierenden Charakter für die Kinder (z.B. Lesedosen mit Gegenständen). Auch Kinder, deren Zweitsprache Deutsch ist, entwickeln dadurch einen schnellen Bezug zu der deutschen Sprache.

Durch die freie Wahl der Materialien werden die Fähigkeiten, Interessen, Neigungen aller Kinder aufgegriffen und mit den Anforderungen fachlichen und fächerübergreifenden Lernens verbunden (vgl. Lehrplan 2021, S.12). Dadurch, dass jedes Kind in seinem eigenen Tempo an seinem Können und seinen Fähigkeiten arbeitet, kann es seine Kompetenzen stetig ausbauen und darüberhinausgehendes Wissen und Können erwerben.

Das Material bietet eine Struktur, die nach dem Prinzip vom Leichten zum Schweren, bzw. vom Einfachen zum Abstrakten aufgebaut ist. Dies wird beispielsweise bei mathematischen Materialien wie den goldenen Perlen, dem darauf aufbauenden Markenspiel und dem anschließenden Rechenrahmen besonders deutlich. Bei Verwendung dieser Materialien erlernen die Kinder auf immer abstrakteren Stufen den Aufbau unseres Dezimalsystems kennen. Dies hilft den Kindern bekannte Erfahrungen mit neuem Wissen zu verknüpfen (vgl. Spiralprinzip nach Bruner (1973)).

Fächerübergreifende Personalkompetenzen erlernen die Kinder im alltäglichen Umgang mit ihren Mitschüler*innen und dem Material. Sie werden von den Lehrkräften während der Freiarbeit und des Fachunterrichts unterstützt, Eigenverantwortung und Selbstständigkeit für ihr eigenes Lernen zu entwickeln. Durch kooperative Arbeitsphasen in altersgemischter Zusammensetzung lernen sie gegenseitige Rücksichtnahme, Verständnis und Anerkennung. Die Jahrgangsmischung hilft ihnen, die eigene Meinung vertreten zu lernen und fremde Meinungen zu akzeptieren, um gemeinsam Leistungen zu erbringen. Ein respektvoller Umgang sowohl mit dem Material als auch mit anderen Menschen ist Voraussetzung dafür und bildet die Basis unserer Arbeit.

In der Wahl der Klassensprecher*innen zu Beginn des Schuljahres, in den Kinderkonferenzen und dem Schülerparlament werden grundlegende demokratische Normen des Grundgesetzes gelebt und erörtert.

Die Lehrkraft gibt durch ihre Persönlichkeit Orientierung, Geborgenheit und sorgt für eine angenehme Lernatmosphäre. Sie ist Lernbegleiter*in. Sie hilft, wo Hilfe nötig ist, zieht sich aber zurück, sobald das Kind selbstständig arbeiten kann. Sie zeigt den Umgang mit Materialien, hilft bei Fragen weiter und gibt Raum für selbstständiges Erforschen, Entdecken und Ausprobieren.

Dem Kind muss geholfen werden, wo das Bedürfnis für Hilfe da ist. Doch schon ein Zuviel dieser Hilfe stört das Kind.

– Oswald, Paul/ Schulz-Benesch, Günter (2017): Grundgedanken der Montessori-Pädagogik Hrsg. v. Harald Ludwig. S. 45/46

Unsere Beobachtungskompetenz wurde besonders während des Erwerbs des Montessori-Diploms geschult. Durch die Beobachtung der Schüler*innen begleiten wir sie optimal in ihrem Lernprozess. Durch unsere Beobachtungen schaffen wir die geeignete Vorbereitete Umgebungim Klassenraum.

Wir arbeiten nicht mit Schulbüchern. Die Kinder erwerben Kompetenzen, Fertigkeiten und Fähigkeiten durch eigenes Handeln und Begreifen. Darum finden sich in unseren acht Klassen Regale mit Montessori-Materialien.

… Das Interesse des Kindes hängt allein von der Möglichkeit ab, eigene Entdeckungen zu machen. … Mit ihm [dem Material] kann das Kind gemäß seiner Natur arbeiten, es kann seinen Forschungstrieb befriedigen und Kenntnisse erwerben.

– Oswald, Paul/ Schulz-Benesch, Günter (2017): Grundgedanken der Montessori-Pädagogik Hrsg. v. Harald Ludwig. S. 41

Die Materialien haben feste Plätze und die Regale sind klar strukturiert. Das jährliche Büchergeld wird unter anderem für den Ausbau des Angebots an Montessori-Materialien, dem Austausch von kaputten oder überholten Materialien (z.B. Länder-Puzzlekarten) oder dem Kauf von Verbrauchsmaterialien wie z.B. den Klebewortsymbolen genutzt. Einen wichtigen Beitrag leistet hier auch die finanzielle Unterstützung des Fördervereins.

Und jedes Mal wenn eine solche Polarisation der Aufmerksamkeit stattfand, begann sich das Kind vollständig zu verändern. Es wurde ruhiger, fast intelligenter und mitteilsamer …

– Oswald, Paul/ Schulz-Benesch, Günter (2017): Grundgedanken der Montessori-Pädagogik Hrsg. v. Harald Ludwig. S. 83f

Jeder Vormittag beginnt in der Regel mit einer Doppelstunde Freiarbeit im Sinne Montessoris. In dieser langen Zeitfrequenz wählen die Kinder frei ihre Arbeit. Sie dürfen den Platz frei wählen und selbst entscheiden, ob sie allein oder mit Partner*innen arbeiten möchten. Sie können ohne Zeitdruck arbeiten und kommen so in lange Konzentrationsphasen. Montessori nannte diese Konzentrationsphasen die „Polarisation der Aufmerksamkeit“. Diese hat Auswirkungen auf die ganze Persönlichkeitsentwicklung. Neben des Zuwachses an Wissen werden die Kinder sozialer. Durch das Gefühl des Erfolges, „Ich habe selbstständig eine große Arbeit vollbracht“, werden die Kinder emotional gefestigt. Diese Zufriedenheit über sich selbst beeinflusst positiv die soziale Entwicklung.

Die soziale Entwicklung wird durch die in allen Klassen herrschende Jahrgangsmischung 1-4 unterstützt. Die Lehrer*innen und die größeren Schüler*innen leben Werte, Regeln und Rituale vor. Die jüngeren Schüler*innen nehmen diese vorgelebten Werte, Regeln und Rituale an. So geschieht die soziale Erziehung fast wie von selbst. Bei uns bekommen die neu eingeschulten Kinder einen Paten/eine Patin aus einem höheren Jahrgang an die Seite, der/die sich in den ersten Wochen um sie kümmert. Er/Sie steht für alle Fragen parat und hilft, wann immer Hilfe nötig ist. Zwischen den Kindern der unterschiedlichen Jahrgänge entsteht schnell eine sehr enge Beziehung. Sie passen aufeinander auf und sind stolz über erbrachte Leistungen ihrer Klassenkameraden/Klassenkameradinnen.

Die Klasse wird eine durch Liebe vereinte Gruppe. Die Kinder lernen untereinander ihre Charaktere kennen und schätzen sich gegenseitig.

– Oswald, Paul/ Schulz-Benesch, Günter (2017): Grundgedanken der Montessori-Pädagogik Hrsg. v. Harald Ludwig. S. 204

Jedes Schuljahr verlassen Viertklässler*innen das Klassengefüge und neue Erstklässer*innen werden eingeschult. So werden die Rollen im Klassengefüge jedes Schuljahr neu gemischt. Die Jüngeren werden zu Älteren, die nun Vorbild sind und Werte und Regeln vorleben und weitergeben.

Wir Lehrer*innen sorgen für ein angenehmes Arbeitsklima. Wir geben Freiheiten und setzen Grenzen wenn dies nötig ist. Denn:

Die Freiheit unserer Kinder hat als Grenze die Gemeinschaft, denn Freiheit bedeutet nicht, ‘dass man tut, was man will‘, sondern Meister seiner selbst zu sein.

– Oswald, Paul/ Schulz-Benesch, Günter (2017): Grundgedanken der Montessori-Pädagogik Hrsg. v. Harald Ludwig. S.47

Die Montessori-Pädagogik ist eine Friedenserziehung. Im Alter zwischen 6 und 12 Jahren entwickeln die Kinder ihr moralisches Gewissen. Montessori hat für dieses Alter das Unterrichtskonzept der Kosmischen Erziehung entwickelt. Die Kinder lernen den Zusammenhang zwischen den Naturwissenschaften, zwischen biologischen und ökologischen Zusammenhängen (Wasserkreislauf, Müllverwertung u.ä.) und sammeln Erkenntnisse über die Aufgaben jedes Lebewesens im Kosmos. Sie lernen die Welt lieben und übernehmen so Verantwortung für ihr eigenes Tun in Bezug auf die Umwelt und die soziale Gemeinschaft.

Wir setzen diese Kosmische Erziehung durch die großen und kleinen Erzählungen Montessoris („Kommen des Menschen“, „Entstehung der Schrift“,…) , durch Exkursionen und Ausflüge in die Natur (Museum König, Siebengebirge,…) , durch didaktische Materialien und Unterrichtseinheiten (Puzzle-Karten, Geologie-Baukasten, Schwarzes Band, Politik, …) und verschiedene soziale Projekte („Lubo“, „Ich bin stark“) um.

Jede Klasse hat zwei Klassensprecher*innen, die freitags die Kinderkonferenz in den Klassen führen. Einmal pro Woche treffen sie sich im Schülerparlament mit unserer Sozialpädagogin.

An unserer Schule pflegen wir im Sinne Montessoris eine positive Fehlerkultur. Der Fehler gehört zum Lernprozess dazu.

In den Montessori-Materialien findet sich eine selbstständige Fehlerkontrolle, so dass die Kinder beim Arbeiten eigenständig ihr Ergebnis korrigieren können.

Es muss zugegeben werden, dass alle irren können;…. So wird es besser sein, dem Fehler gegenüber ein freundschaftliches Verhalten an den Tag zu legen und ihn als einen Gefährten zu betrachten, der mit uns lebt und einen Sinn hat …

– Montessori (1972): Das kreative Kind. S. 222

Neben den langen Sequenzen der Montessori-Freiarbeit findet bei uns Ergänzender Unterricht in der Jahrgangsmischung 1./2. und 3./4. statt. So werden die Fächer Sport, Schwimmen, Religion und Englisch unterrichtet. Dabei arbeiten die Partnerklasse A/B, C/D, E/F und G/H zusammen. In dieser Konstellation unterrichten wir auch vereinzelte Unterrichtsstunden in Mathematik und Deutsch. Musik, Kunst und Sachunterricht wird in der Jahrgangsmischung 1-4 unterrichtet. Auch im Ergänzenden Unterricht wird die selbstständige Erarbeitung von Unterrichtsinhalten durch die Schüler*innen angestrebt.

Neben der Differenzierung, die in der Montessori-Freiarbeit durch die Vielfalt der Arbeiten, durch die Wahlfreiheit und Zeitfreiheit gegeben ist, gibt es für die Kinder die Möglichkeit, Zeit im Lernstudio zu verbringen. Dort arbeiten die Kinder in Kleingruppen oder allein mit unserer Sozialpädagogin. Hier können mit enger Unterstützung der Sozialpädagogin Fertigkeiten und Unterrichtsinhalte wiederholt, geübt und gesichert werden. Im Lernstudio finden sich unterschiedlichste Montessori-Materialien für das Grundschulalter als auch für jüngere Kinder wie z.B. der Schleifenrahmen zum Erlernen des komplexen Handlungsablaufes des Schleife Bindens.

Wir bereiten eine Umgebung vor, die reich an interessanten Aktivitätsmomenten ist.

– Oswald, Paul/ Schulz-Benesch, Günter (2017): Grundgedanken der Montessori-Pädagogik Hrsg. v. Harald Ludwig, S. 45

Die selbstständige Arbeit mit Montessori-Materialien vereinfacht die Integration von Kindern mit Migrationshintergrund. Eine mögliche sprachliche Einschränkung verhindert nicht den Lernzuwachs. Die Kinder können sofort mit anderen Kindern gemeinsam arbeiten. Dadurch werden sie schnell Teil der Klassengemeinschaft.

Bedeutsam ist für uns die enge Zusammenarbeit mit den Familien. Um die sprachlichen Grenzen bei Elterngesprächen zu überwinden, arbeiten wir eng mit Sprachmittlern/Sprachmittlerinnen des Sprachenpools Bonn zusammen.

Stand Dezember 2021

Literaturverzeichnis

  • Bruner, Jerome (1973): Der Prozess der Erziehung. Berlin: Berlin-Verlag.
  • Montessori, Maria (1972): Das kreative Kind. Freiburg
  • Montessori, Maria (2012): Kinder sind anders. Stuttgart
  • Montessori, Maria (2012): Die Entdeckung des Kindes. Freiburg
  • Oswald, Paul/ Schulz-Benesch, Günter (2017): Grundgedanken der Montessori-Pädagogik Hrsg. v. Harald Ludwig
  • Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW (Hrsg.) (2008): Richtlinien und Lehrpläne für die Grundschule in Nordrhein-Westfalen. Frechen: Ritterbach Verlag.